Wenn Sex Druck erzeugt – Wege zu einer entspannten Sexualität

 

Wenn aus einem „Ich will Sex“ ein „Ich muss Sex haben“ wird, kann die Intimität zur Last werden. Man macht sich selbst Druck oder bekommt ihn von dem*der Partner*in. Gesellschaftliche „Normen“, Beiträge auf diversen Social-Media-Kanälen zum Thema Sexualität, aber auch die Werbung setzen uns ebenfalls unter Druck, eine sexuelle Glanzleistung im Bett zu vollbringen.

3 Orgasmen und so guten Sex, dass sich sogar die Nachbarn eine Zigarette danach anzünden müssen, ist doch das Mindeste. Wie löst man sich nun von dem Druck der Gesellschaft, sich selbst und des*der Partners*in, um eine entspannte Sexualität leben zu können?

Sexueller Druck durch die Gesellschaft

In unserer Gesellschaft herrscht eine Doppelmoral, wenn es um das Thema Sexualität geht. Richtig offen wird (noch) nicht darüber gesprochen. Vielleicht denkst du dir, „Aber gerade jetzt, in unserer aufgeklärten und übersexualisierten Gesellschaft und nach 50 Shades of Grey, ist doch das Thema Sex so präsent wie nie zuvor.“

Das stimmt zum Teil auch, es wird bestimmt offener mit dem Thema Sexualität umgegangen, aber nicht mit allen Aspekten der Sexualität. Wer spricht schon offen mit seinen Freunden über seine Lustlosigkeit, sexuelles Versagen oder den Leistungsdruck, welcher sie*er verspürt, wenn es um Sex geht. Das ist oft peinlich und unangenehm und deswegen wissen wir auch nicht, dass viele Menschen ähnliche Ängste, Sorgen und Kummer haben, wenn es um ihre eigene Sexualität geht.

Gesellschaftliche Normen die uns Filme, das Internet und die Werbung nicht selten vermitteln, suggerieren uns, wie wir als Frau und als Geliebte zu sein haben. In der vermeintlich so aufgeklärten Welt, in der wir uns befinden, scheint es mir manches Mal so, als gäbe es eine gewisse Erwartungshaltung, all die sexuellen Praktiken, welche in Pornos dargestellt werden, zu wollen. BDSM oder Analsex gehört ja mittlerweile zum Standardprogramm in den Schlafzimmern – wenn nicht ist man prüde oder?

Es braucht eine Gesellschaft, in welcher sexuelle Vorlieben und Wünsche als individuell angesehen werden. Die bei jedem Zusammentreffen neu erkundet werden dürfen.

Ohne ein Standarddrehbuch eines Pornos im Kopf zu haben, sondern seiner Lust entsprechend zu handeln. Denn Pornos lösen nicht selten enormen Leistungsdruck aus, und die Angst, nicht so „gut“ zu sein, wie die Darsteller*innen. Dabei darf man sich getrost daran erinnern, dass das Genre des Pornos in die Kategorie „Science-Fiction“ fällt.

Den Druck auf sich selbst verringern

Vielen ist es wichtig, als gute Liebhaberin dazustehen. Um dies zu erreichen, stellen viele ihre sexuellen Wünsche und Vorlieben hintenan und gehen nur auf die Bedürfnisse des Gegenübers ein. Jedoch ist häufig genau das Gegenteil der Fall.

Frauen, welche auch in der Sexualität auf sich und ihre Lust achten und sich das holen, was sie möchten, strahlen sexuelle Selbstsicherheit aus.

Frauen, die auch manchmal egoistisch handeln, haben gelernt, zu genießen, ohne schlechtem Gewissen. Die eigenen sexuellen Gefühle und Regungen selbstbewusst zu zeigen ist ein ganzes Stück Arbeit.

Unbewusste Prägungen aus Kindheit oder Jugend führen häufig dazu, dass viele Frauen glauben, offen ihre sexuellen Gefühle auszuleben würde sie als „Schlampe“ abstempeln. Dabei kannst du dich selbst fragen: „Warum halte ich mich zurück?“ „Welcher negative Glaubenssatz hindert mich daran, mich in meiner vollen sexuellen Kraft zu zeigen?“ Ein Coach* kann dir dabei helfen, solche hinderlichen Muster aufzulösen.

Jede Frau hat ihre eigene Sexualität, sie ist wie ein Fingerabdruck, der sich von jedem anderen unterscheidet. – Emily Nagoski

Die eigene Sexualität zu akzeptieren mit all ihren Vorlieben und Bedürfnissen, ohne sich dafür zu verurteilen ist der Königinnenweg zu einer entspannten Sexualität. Dafür darf ich ehrlich zu mir selbst sein und mich fragen: „Welchen Sex möchte ICH wirklich haben?“

Vielleicht möchte ich eine Frau sein, welche in 2 Minuten bereit für Sexualität ist. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, möchte ich vielleicht Gespräche und Intimität vor der Sexualität. Viele Frauen haben Angst als prüde oder langweilig wahrgenommen zu werden, wenn sie zu bestimmten Praktiken Nein sagen. Dann machen sie diese mit und fühlen sich hinterher schlecht.

Natürlich darf man auch in der Sexualität offenbleiben und neugierig sein auf Neues. Man kann auch einmal etwas dem*der Partner*in zuliebe tun. Jedoch hat dies Grenzen. Ich darf dabei meine eigene Integrität nicht verlieren.

Wie bin ich als sinnliche und lustvolle Frau? Male dir in deinem Kopf aus, wie du dich selbst in der Sexualität wahrnehmen möchtest. Eine klare bildliche Vorstellung von dir als sinnliche Frau, hilft dir eine solche zu werden. Denn jede Handlung beginnt zunächst mit einem Gedanken.

 

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Sexueller Druck in der Beziehung

Wenn es unterschiedliche Fantasien und Vorlieben gibt, kann dies zu Konflikten führen. Die Fronten verhärten sich und es ist vorbei mit einer gemeinsamen entspannten Sexualität. Aus diesem Druck kann man sich lösen, wenn man seine eigenen Vorlieben und Wünsche und die des Anderen nicht bewertet oder verurteilt, sondern annimmt.

Dieses Annehmen heißt nicht, dass ich etwas tun muss, was ich nicht will, sondern lediglich, dass die Fakten klar am Tisch liegen, man sich zusammensetzt und bespricht, wie Sexualität mit den verschiedenen Bedürfnissen stattfinden kann.

Viele Männer und Frauen haben große Erwartungen an sich, an das Gegenüber und den Sex. Überall sieht und hört man, wie großartig Sexualität bei anderen ist. Nur bei einem selbst ist es immer dieselbe Leier. Man müht sich selbst ab und bemüht sich für den anderen, eine gute Performance im Bett abzuliefern.

Eine kleine Belohnung für sich, dass man die Sache gut gemacht hat, ist der Orgasmus des Gegenübers. Was passiert mit dir, wenn der Orgasmus beim Anderen ausbleibt? Wie fühlst du dich? Wie eine schlechte Geliebte, wie eine Versagerin?

Wir fühlen uns für den Orgasmus des anderen verantwortlich und denken, vielleicht auch noch, wenn der andere nicht kommt, habe dies etwas mit mir zu tun. Aber oftmals wissen wir einfach nicht, was das Gegenüber wirklich beschäftigt, oder ob er*sie viel Stress hat, viel nachdenkt usw.

Jeder Mensch ist für seinen Orgasmus selbst verantwortlich.

Ich kann natürlich meine „Mithilfe“ zum Erreichen des Orgasmus anbieten, aber der Orgasmus selbst liegt im Verantwortungsbereich des Anderen. Das heißt auch, dass, wenn man selbst einmal keinen Orgasmus bekommt, nicht zwingend der andere die Schuld dafür trägt. Dann kann es hilfreich sein, sich selbst zu fragen: „Was brauche ich, um einen Orgasmus zu bekommen?“ und dies auch mitzuteilen.

Mann küsst Frau auf die Wange, Frau entspannt und lacht
Entspannung beim Sex - durch Spaß (Foto: Pexels)

Übung: Richtig schlechten Sex haben

In dieser Übung von Sexualtherapeuten Ulrich Clement, geht es vor allem darum, den Anderen besser kennen zu lernen und sich auch mal von seiner schlechten Seite zu zeigen, um dadurch auch Hemmungen zu verlieren. Du darfst richtig schlecht küssen, nur auf dich bedacht sein in der Sexualität, wie ein Seestern liegen bleiben und dich nicht bewegen oder einschlafen.

Mach das, was du denkst, das richtig schlechter Sex ist. Wichtig dabei, Spaß zu haben und hinterher gemeinsam zu reflektieren, wie es jeder wahrgenommen hat. Was war richtig schrecklich? Was war aber vielleicht sogar schön oder würde ich mir wünschen? Was findet einer abtörnend, der andere aber erotisch?

Für eine entspannte Sexualität, darf ich mich mit meiner Sexualität annehmen und akzeptieren – ohne mich dem Druck der Gesellschaft, wie meine Sexualität zu sein hat, zu beugen. Mit dem*der Partner*in über die verschiedenen Vorlieben zu sprechen und auch einmal richtig schlechten Sex zu haben, können Wege sein hin zu einer entspannten partnerschaftlichen Sexualität.

Lustvolle Grüße Claudia

 

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